Historie der Tanzschule Walter Bartel

Im Jahre 1923 wurde durch Walter Bartel, Tanzlehrer seiner Zeit, die damalige Privattanzschule unweit der Alster gegründet. Walter Bartel war bereits schon im Jahre davor bei der Gründung des Allgemeinen Deutschen Tanzverbandes hautnah dabei. Tanz war zu dieser Zeit noch von strengen gesellschaftlichen Konventionen geprägt, so machte es sich der ADTV unter anderem die Einführung einheitlicher Vorschriften zur Aufgabe, stark betroffen war zu dieser Zeit unter anderem der aus Amerika stammende Foxtrott.

Mit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise zog 1931 die Privattanzschule in das damalige äußerst populäre Ufa-Haus direkt gelegen bei der Mundsburg, wo auch noch bis heute der Standort der Tanzschule liegt. Anni und Walter Bartel (1.Generation) hatten die Ehre, die Besucher der Kinoabende mit diversen Tanzeinlagen unterhalten zu dürfen. Ihr Potpurie der alten Tänze war lange eine beliebte Darbietung, leider mussten aber auch hier Abstriche bei den Darbietungen gemacht werden, Swing durfte nicht öffentliche aufgeführt werden, und wurde auch nur heimlich unterrichtet. Rumba galt zu jener Zeit sogar als „undeutsch“ und „entartet“ und wurde somit verboten. Die Wiederentdeckung sentimentaler Tänze wie Walzer und Tango aber boten dem Gesellschaftstanz einen regelrechten Vormarsch. Das „Swingfieber“ erfasste dann Mitte der 30er Jahre auch das Dritte Reich. Seinen Höhepunkt erreichte es 1936 während der Olympiade, als internationale Orchester in Berlin Swingmusik spielen durften.

Mit dem Beginn des Jahres 1939 und dem damit verbundenen tragischen Ereignissen, unter anderem dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen und dem damit unausweichlichem Kriegsbeginn führte diese Entwicklung zu maßgeblichen Veränderungen der Politik wie auch in der Wirtschaft, welche nicht spurlos an der damaligen Tanzschule vorübergingen. Durch harsche Auflagen und Einschränkungen durften Tanz- und Musikveranstaltungen nur noch im begrenztem Rahmen stattfinden. Zudem herrschte durch den bestehenden Einrufungsbefehl ein akuter Mangel an männlichen Tanzpartnern, was die übrigen Herren dazu zwang mit mehreren Damen nacheinander zu tanzen. Durch gewiefte Tricks, wie das nutzen von farbigen Armbinden löste man die logistischen Probleme der verschiedenen Tanzpartner.

1943 trat dann das endgültige Tanzverbot ein, ausgelöst durch die am 14. Februar von der britischen Regierung ausgesprochen „Area Bombing Directive“, die unter anderem dazu führte das ein groß angelegter Luftangriff auf Deutschland insbesondere auf Hamburg, das damalige Hauptgebäude der Privattanzschule stark beschädigte. Glücklicherweise hatte die Tanzschule, im Untergeschoss nur leichte Beschädigungen davongetragen.

1945, mit dem Kriegsende und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands konnte mit der Unterstützung des damaligen Gebäudeinhabers der gemeinsame Wiederaufbau des stark beschädigten Gebäudes beginnen. In diesem Verlauf konnte sich die Privattanzschule um einen zweiten Tanz Saal erweitern, und die Räume der ehemaligen Bäckerei wurden umgebaut und dienten ab sofort als Garderobe für die Besucher und Schüler.

Nach dem Krieg feierte der Swingtanz als „Boogie-Woogie“ durch die amerikanischen Besatzungsmächte in Westdeutschland einen erneuten Siegeszug.

Mit der abgeschlossenen Sanierung folgte dann im Jahre 1947 die erfolgreiche Wiederaufnahme des Tanzschulbetriebes. Mit der Besetzung durch Großbritannien strömten dutzende Tanzwillige Engländer nach Hamburg die unter anderem ihre Tanzfähigkeiten vor ihrer Heimreise auffrischen wollten. Die damals stattfindenden Tanzkurse wurden hauptsächlich mit Briketts, Dieselöl und Nahrungsmitteln honoriert, die einen größeren Wert für die Einwohner darstellten als Scheine oder Münzen. Die Tanzschule konnte sich durch den regen Verkehr und die hohe Nachfrage schnell wieder auf gesunde Beine stellen.

1948 gründete der ebenfalls begabte und tanzbegeisterte Sohn, Gerd Bartel (2. Generation) aus dem damals bestehendem Tanzschulbetrieb heraus den „Tanzclub zur Uhlenhorst“ und übernahm 1949 auch einen Teil der Tanzschule von Walter Bartel.
Nach dem Ausbau des Gebäudes zu einem großen Wohnblock folgte kurze Zeit später die Vermählung von Gerd & Inge Bartel.
Beide arbeiteten leidenschaftlich in der Tanzschule und übernahmen nach der schweren Erkrankung von Walter Bartel den Unterricht.

Nichts desto trotzt wurde der Unterricht auch unter schwersten gesundheitlichen Umständen aus der darüber liegenden Wohnung von Walter Bartel auf höchste Qualitäts Standards überwacht und gegebenenfalls durch Durchsagen in den Unterrichtssaal korrigiert.

Mit dem tragischen Tot von Walter Bartel im Jahre 1960, übernahmen Gerd und Inge Bartel den gesamten Tanzschulbetrieb. Ihre damals noch junge Tochter Corinna Bartel (3. Generation) war auch schon in ihren jungen Jahren stets tanzbegeistert und half von klein auf in der Tanzschule der Eltern mit. Geboren in turbulenten Zeiten, bevorzugte Sie schon immer die moderneren Tanzarten, unter anderem den Rock ́n ́Roll Tanz der mit aufkommen der Rock-’n’-Roll-Musik im Jahre 1955 schließlich aus dem Boogie-Woogie erwuchs und von den Jugendbewegungen maßgeblich geprägt wurde.

Sie konnte unter anderem mit Ihrem Partner Peter Gade 1976 den Titel des Hamburger Meisters in dieser Tanzkategorie erringen.

1978, in dem Jahr in dem unter anderem die Hamburger Staatsoper ihr 300-jähriges Bestehen feierte begann Corinna Bartel dann ihre professionelle Ausbildung zur Tanzlehrerin im ADTV und heiratete drei Jahre später ihren Mann und Tanzpartner Peter Gade. Ihr Mann, ebenfalls ausgebildeter Tanzlehrer, unterrichtete gemeinsam mit Ihr und den Eltern die stattfindenden Kurse.

Mit dem Beginn der 80er Jahre wird auch der Rock‘ n Roll, Merengue, Mambo und der Marschfox als offizieller Tanz, teil des ADTV.
Als Anni Bartel sich mit den Jahren langsam aus den Tanzkursen zurückzog, führte Sie noch einige Jahre weiter die Buchhaltung. 1982 verstarb Anni Bartel und wenige Jahre später zog auch Inge Bartel sich vom Tanzgeschehen zurück.
Ihr Mann Gerd arbeite weiterhin leidenschaftlich auf der Tanzfläche, und nach weiteren zehn Jahre ging auch er in seinen wohlverdienten Ruhestand.

Gerd Bartel war der Tanzschule immer stets verbunden, und Stolz eine so Geschichtsträchtige Schule weiter geben zu dürfen, und ihre Entwicklung bis zu seinem Versterben im Jahre 2008 verfolgen zu dürfen. Gerd Bartel wurde ebenso wie Walter Bartel als Ehrenmitglieder des ADTV ausgezeichnet.

1994 das Jahr in dem Michael Schuhmacher das erste Mal den Formel-1 Weltmeistertitel nach Deutschland holt, kann auch Corinna Bartel Geschichte schreiben. Sie übernimmt voller Stolz, acht Jahre nach der Geburt Ihres Sohnes Timo Bartel (4. Generation) die Tanzschule unweit der Alster.

Mit Ende 1995 kam die Gruppe Los Del Rio mit einem Musikvideo zu ihrem neuen Song „Macarena“ heraus. Wenig später wählte man Macarena beim INTAKO (Internationaler Tanzlehrerkongreß) in Hamburg zum Tanz des Jahres – die Zeit der Solotänze brach in den Tanzschulen an. 1997 gründete der ADTV eine Videoclipdancing Marke – Dance4Fans. Deutschlandweit wurden die gleichen Choreografien, inspiriert aus den aktuellen Musikvideos, unterrichtet und es wurden Meisterschaften veranstaltet. 1999 richtete Corinna Bartel die Dance 4 Fans Meisterschaften für Norddeutschland im CongressCentrum Hamburg aus an der auch diverse Showgruppen der Tanzschule Bartel teilnahmen. Die Erfolge dieser Teams lassen sich noch heute an den vielen Pokalen in der  Tanzschule ablesen.

Mit Anbruch des Jahres 2013 feierte auch die Privattanzschule ihr damals 90-jähriges Jubiläum.
Mit einem großen Straßenfest unter dem Titel „die Ulmenau tanzt“ mit unzähligen Besuchern und Schaulustigen konnte die Tanzschule ihr bestehen noch einmal Revue passieren lassen.